Luftbild vom Bau von "Haus 15" in der Stasi-Zentrale
Signatur: BStU, MfS, VRD, Fo, Nr. 53, Bild 1
Die Aufnahme der Stasi-Zentrale von 1977 dokumentiert den Bau von "Haus 15" - dem späteren Sitz der Hauptverwaltung A. Das Foto zeigt darüber hinaus die zwei Jahre später zerstörten Taut-Bauten sowie die neuapostolische Kirche.
1950 bezog das Ministerium für Staatssicherheit seinen Dienstsitz in den Räumen des Lichtenberger Finanzamtes an der Ecke Normannenstraße und Magdalenenstraße. Von diesem einen Gebäude ausgehend breitete sich die Stasi Stück für Stück aus. Knapp 40 Jahre später umfasste die Stasi-Zentrale eine Fläche von etwa 22 Hektar. Zuerst verschwanden einzelne Gebäude, dann ganze Straßenzüge. An deren Stelle errichtete das MfS eigene Gebäude, denn die stark wachsende Zahl hauptamtlicher Mitarbeiter erforderte mehr Bürofläche. So entwickelte sich ein riesiges geheimdienstliches Areal − militärisch gesichert und von der Umgebung hermetisch abgeriegelt.
Das hier vorliegende Foto zeigt den Bau von "Haus 15" an der Frankfurter Allee Ecke Ruschestraße. Insgesamt 18 Grundstücke befanden sich dort, bevor 1975 die Bauarbeiten begannen. Doch Kleingärten, Gewerbebetriebe und ein katholisches Altersheim mussten dem Bürokomplex weichen. Die parallel zur Ruschestraße verlaufende Müllerstraße verschwand ebenfalls.
In den 1978 fertig gestellten Blöcken residierte bis 1989 die DDR-Auslandsspionage, die Hauptverwaltung A (HV A). Sie wurde bis 1986 von Markus Wolf, dann von Werner Großmann geleitete. Auf einer Nutzfläche von über 35.000 Quadratmetern entstanden mehr als 1.100 Büros sowie Labor-, Werkstatt- und Lagerräume. Der Bau der 12- und 13-stöckigen Gebäude diente auch dazu, den Innenbereich der MfS-Zentrale besser gegen Blicke von außen abzuschirmen. Die Fenster zur Straßenseite wurden zusätzlich mit Gartenklarglas versehen, um unerwünschte Einsicht von außen zu verhindern. Scheiben aus Gartenklarglas lassen Licht durch, streuen es durch aber durch eine besondere Oberflächenstruktur, so dass sie nicht vollständig durchsichtig sind.
Das Foto zeigt Teile der Stasi-Zentrale im Januar 1977. In der Bildmitte etwa ist "Haus 22" zu sehen. Rechts davon ist der Vorbau von "Haus 1" zu erkennen, unterhalb davon der Westflügel von "Haus 7". Im oberen Bildabschnitt - unterhalb des Hans-Zoschke-Stadions - sind drei von Bruno Taut im Stil der Neuen Sachlichkeit erbauten Häuser sowie die neuapostolische Kirche abgebildet. Sowohl die Taut-Bauten als auch die Kirche wurden 1979 abgerissen, da sie dem "Haus 18" - dem zentralen Dienstleistungs- und Versorgungstrakt – weichen mussten.
Metadaten
- Diensteinheit:
- Verwaltung Rückwärtige Dienste, Bereich Bauwesen
- Urheber:
- MfS
- Datum:
- Januar 1977
- Rechte:
- BStU
- Überlieferungsform:
- Positiv
Luftbildaufnahme etwa auf Höhe der Frankfurter Allee in Richtung Norden mit einem Blick über das Stadtgebiet.
In der unteren Bildhälfte ist eine große Baustelle zu sehen. Ein mehrstöckiges Haus wird in Plattenbauweise errichtet. Auf dem Dach sind Bauarbeiter zu sehen. Ein großer Kran ragt ins Bild. Oberhalb des noch nicht fertig gestellten Hauses befindet sich die Baustellen. Ein Weg ist erkennbar. Mehrere Bauwägen sind an dessen Rand abgestellt.
In der Bildmitte sind mehrere Häuser zu sehen, unter anderem "Haus 22" das Offiziersspeisehause der Stasi. Links und rechts davon gibt es mehrere Parkplätze, auf denen Autos abgestellt sind.
Am oberen Bildrand ist das Hans-Zoschke-Stadion zu sehen. Darunter sind drei viergeschossige Wohnhäuser abgebildet, die Bruno Taut für die "Gemeinnützige Baugesellschaft Berlin-Ost m.b.H" im Stil der Neuen Sachlichkeit entworfen hatte. Rechts daneben ist die neuapostolische Kirche zu erkennen, 1931 ebenfalls im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut. Sie wurde Anfang 1979 gesprengt. Bereits zuvor ließ die Stasi die Taut-Bauten abreisen. Auf dem freigewordenen Areal errichte die Stasi "Haus 18" als zentralen Dienstleistungs- und Versorgungstrakt.